Während meines Studiums habe ich mit meinem Vater einen Onlineshop für Handys aufgebaut. Internet war damals noch jung, online verkaufen war neu, der Tag drehte sich um Bestellungen, Versand und die Frage, wie man Zahlungen sicher abwickelt.
Unser Zahlungsanbieter hatte uns eine renommierte Kreditkartengesellschaft empfohlen, mit dem großen Versprechen: Wenn deren Prüfmechanismen eine Zahlung freigeben, kannst du die Bestellung sorgenfrei rausschicken. Wir hatten sogar mehrfach nachgefragt, weil zunehmend Bestellungen aus Indonesien und anderen asiatischen Ländern reinkamen. Antwort: Ja, alles geprüft, ja, alles freigegeben, ja, ihr seid abgesichert.
Wir haben Geräte versendet. Ein Jahr lang. Bis die ersten Faxe kamen. Rückbuchungen. Erst einzeln, dann immer mehr. Die Bestellungen waren mit gestohlenen Kreditkartendaten platziert worden. Am Ende stand ein fünfstelliger Betrag im Raum, ein Mahnbescheid und schlaflose Nächte. Es ging bis zum Landgericht Berlin. Der Richter hat am Ende festgestellt, was eigentlich schon im Vorfeld klar gewesen wäre: Wer als Kreditkartenanbieter eine Zahlungsgarantie ausspricht und dafür ordentliche Gebühren kassiert, kann das Betrugsrisiko nicht im Nachhinein auf den Händler abwälzen.
Genauso ist es im Marketing oft. Erst sieht alles ganz normal aus. Conversions kommen rein, die Zahlen sehen gut aus, das System läuft. Bis du genau hinschaust und feststellst: Vieles davon ist gar nichts wert.
Genau dieses Phänomen sehen wir gerade massiv bei Performance Max Kampagnen, die Leads generieren sollen.
Bei uns landen in den letzten Monaten immer mehr Kunden, die das gleiche Bild zeigen. Ihre Pmax-Kampagne generiert Anfragen, aber ein großer Teil davon ist offensichtlich nicht echt. Namen in arabischer oder kyrillischer Schrift, Telefonnummern aus Saudi-Arabien oder Indien, Sprachfetzen, die mit dem deutschen Angebot nichts zu tun haben.
Bei manchen Konten sind das fünfzehn Prozent, bei anderen siebzig. Trotz Zielausrichtung Deutschland, trotz deutscher Sprache, trotz sauber definierter Zielgruppe.
Das Tracking-System feiert diese Anfragen als Conversions. Smart Bidding sieht den Erfolg und schaltet noch mehr Anzeigen dort, wo diese vermeintlichen Erfolge entstehen. Das Konto füllt sich mit Lärm, das Budget verbrennt, und im Vertrieb landet ein Berg Müll-Leads.
Ich kann nicht mit absoluter Sicherheit sagen, dass das die einzige Erklärung ist. Aber nach über zwanzig Jahren in Google Ads ist meine begründete Vermutung folgende:
Das Problem hat seinen Ursprung im Google Display-Netzwerk, genauer im AdSense-Teil davon. AdSense erlaubt Webseiten-Betreibern, Google-Werbung einzubinden und an Klicks mitzuverdienen. Solange dort echte Menschen klicken, ist das System fair. Es gibt aber weltweit Akteure, die gezielt Seiten aufsetzen, um über automatisierte Klicks und gefälschte Formular-Conversions Geld aus dem System zu ziehen.
Diese Seiten erscheinen unter den Placements, die deine Pmax-Kampagne automatisch bespielt. Bots öffnen deine Anzeige, klicken durch, landen auf deiner Landingpage, füllen das Formular aus oder lösen ein anderes Conversion-Ereignis aus. Aus Sicht von Google ist das ein Erfolg. Aus deiner Sicht ist es Diebstahl.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Smart Bidding optimiert auf das, was es als Conversion sieht. Wenn dein Tracking die Lead-Qualität nicht zurückspielt, hält der Algorithmus die Spam-Seiten für die effizientesten Placements im ganzen Netzwerk. Er drückt also immer mehr Budget genau dorthin.
Das ist eine Schleife, die sich selbst beschleunigt. Je mehr Spam, desto mehr Auslieferung. Je mehr Auslieferung, desto mehr Spam.
Du kannst dich nicht darauf verlassen, dass Google das Problem von selbst löst. Du musst zwei Dinge gleichzeitig tun: Erstens deine Landingpages so härten, dass Bots gar nicht erst durchkommen. Zweitens deinem Konto beibringen, was eine echte Conversion ist und was Müll. Erst beides zusammen unterbricht die Schleife.
Der erste und wichtigste Hebel liegt nicht in Google Ads, sondern auf deiner Website. Schütze jedes Formular mit einem modernen Captcha. reCAPTCHA v3 oder Cloudflare Turnstile sind hier die Standards. Beide arbeiten unsichtbar im Hintergrund und blockieren Bots, ohne echte Nutzer zu nerven. Ein zusätzlich eingebautes Honeypot-Feld, das nur Bots ausfüllen, hilft gegen einfache Automaten.
In den Kampagneneinstellungen findest du bei den Standortoptionen die Auswahl "Anwesenheit" versus "Anwesenheit oder Interesse". Standardmäßig steht es auf "Interesse oder Anwesenheit", was bedeutet, dass auch Menschen außerhalb Deutschlands deine Anzeige sehen können, wenn sie sich für deutschsprachige Inhalte interessieren. Stelle das auf reine Anwesenheit um. Das blockiert nicht alles, aber einen guten Teil.
Wenn dein Angebot ausschließlich auf Deutsch ist, dann darf auch nur Deutsch im Sprachfeld stehen. Wer englische Browser-Spracheinstellungen hat, sollte deine Anzeigen nicht sehen. Klingt banal, ist aber in vielen Konten falsch hinterlegt.
Wenn eine "Anfrage abgeschickt" für Google immer den gleichen Wert hat, kann der Algorithmus nicht unterscheiden zwischen einer Top-Anfrage aus Deutschland und einem Bot-Klick aus dem Nirgendwo. Übergib einen Wert. Schon ein einfacher Standardwert von 50 oder 100 Euro pro Lead reicht, um Smart Bidding einen Hebel zu geben.
Das ist der stärkste Hebel überhaupt und wird in den meisten Konten nicht genutzt. Wenn ein Lead reinkommt, qualifiziert ihn dein Vertrieb. Echter Interessent oder Müll. Spiele diese Information per Offline-Conversion zurück nach Google Ads. Damit lernt Smart Bidding, welche Leads echte Leads sind, und schaltet die Spam-Quellen mit der Zeit selbst ab.
Konkret kannst du das über einen direkten Upload aus deinem CRM oder über Schnittstellen wie Zapier oder Make machen. Der Aufwand ist überschaubar, der Effekt enorm.
Pmax zeigt dir nicht jedes Placement, aber den groben Bericht der ausspielenden Domains gibt es. Schau dort regelmäßig rein. Verdächtige Domains kannst du auf Konto-Ebene als Placement-Ausschluss eintragen. Damit blockierst du sie nicht nur in einer Kampagne, sondern überall. Das ist mühsam, aber wirksam.
Performance Max hat in den letzten Monaten neue Steuerungsfunktionen bekommen. Auf Konto-Ebene kannst du jetzt Negative Keywords hinterlegen, die in jeder Pmax-Kampagne greifen. Damit kannst du irrelevante Such-Cluster konsequent ausschließen. Ergänze die Brand Exclusions, wenn du nicht willst, dass Pmax auf den Markennamen anderer Anbieter ausgespielt wird.
Search Themes sind ein Steuerungselement in Pmax, mit dem du dem System Hinweise gibst, welche thematischen Suchanfragen für dich relevant sind. Richtig eingesetzt, lenken sie die Kampagne stärker in Richtung deiner echten Zielgruppe und weg von Streufeldern.
Schau dir an, welche Conversions in deinem Konto als primär markiert sind. Wenn dort ein "Klick auf Telefonnummer" oder "PDF heruntergeladen" mitläuft, kann das den ganzen Algorithmus ins Schlingern bringen. Halte primäre Conversions schlank und nur auf das, was wirklich Umsatz bringt. Den Rest setzt du auf sekundär, damit du es siehst, aber Smart Bidding nicht darauf optimiert.
Bei Master of Scaling fahren wir unser eigenes Marketing über Google Ads und Meta Ads. Wir geben aktuell selbst immer mehr Werbebudget aus. Genau deshalb haben wir unsere eigenen Formulare hart abgesichert, spielen Lead-Qualität sauber zurück und schauen uns regelmäßig die Placement-Berichte unserer Pmax-Kampagnen an. Wenn wir das nicht tun würden, würde uns derselbe Spam treffen wie alle anderen.
Es gibt keine Magie, die das Problem allein löst. Es gibt nur einen sauberen, mehrschichtigen Ansatz, der konsequent angewendet wird.
Damals beim Kreditkartenbetrug haben wir gelernt, dass eine vermeintliche Garantie nicht reicht, wenn niemand wirklich genau hinschaut. Es brauchte am Ende ein Gericht, das festgehalten hat: Wer Sicherheit verspricht, muss sie auch tragen.
Bei Google Ads ist es ähnlich. Performance Max ist mächtig und liefert in vielen Konten hervorragende Ergebnisse. Aber das System verlässt sich auf die Signale, die du ihm gibst. Wenn deine Signale Spam für Erfolg halten, optimiert der Algorithmus brav auf Spam. Wenn deine Signale ehrlich sind, optimiert er auf echte Kunden.
Der Werkzeugkasten oben sieht nach Aufwand aus. Ist er auch. Aber er ist deutlich günstiger als ein Konto, das jeden Monat fünfstellig in Bot-Müll versenkt.
Wenn du dir nach diesem Artikel denkst "genau das passiert mir gerade" oder "ich weiß gar nicht, ob das bei mir auch so ist", lass uns reden. Im kostenlosen Strategiegespräch schauen wir uns dein Konto und deine Lead-Qualität gemeinsam an.
Du gehst aus dem Gespräch mit mindestens einem konkreten Tipp, mit dem du sofort etwas verbessern kannst. Ohne dass du einen Cent zahlst.
Und wenn dein Setup besser läuft, als du dachtest, sagen wir dir das ehrlich. Dein Erfolg ist auch unser Erfolg.
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