Google Ads ist eines der effektivsten Werkzeuge im Online-Marketing. Doch selbst gut durchdachte Kampagnen geraten ins Straucheln, wenn sogenannte Klick-Touristen regelmäßig dein Werbebudget belasten. So nenne ich Nutzer, die auf deine Anzeigen klicken, ohne eine Conversion wie einen Kauf, eine Anfrage oder eine Newsletter-Anmeldung durchzuführen.
In diesem Artikel zeige ich dir:
Klick-Touristen sind echte Menschen, die auf deine Anzeigen klicken, ohne echtes Interesse an deinem Angebot zu haben. Sie unterscheiden sich von Bot-Klicks und Spam-Leads, mit denen ich mich in einem anderen Artikel ausführlicher beschäftige. Klick-Touristen verursachen Kosten pro Klick, ohne dass am Ende ein wirtschaftlicher Wert für dein Unternehmen entsteht.
Manche dieser Gruppen sind dauerhaft uninteressant für dich, andere werden später vielleicht zu Kunden. Die Kunst ist, zu unterscheiden.
Die Identifikation ist der erste Schritt. Mehrere Kennzahlen helfen dir dabei.
Die Conversion Rate gibt das Verhältnis zwischen Klicks und abgeschlossenen Aktionen wie Käufen oder Anfragen an.
Formel:
CR = (Anzahl der Conversions / Anzahl der Klicks) x 100 %
Beispiel: 1.000 Klicks, 10 Conversions, ergibt eine Conversion Rate von 1 %.
Eine pauschale Schwelle, ab der "zu viele Klick-Touristen" unterwegs sind, gibt es nicht. Die typische CR variiert stark nach Branche: Im E-Commerce sind 2 bis 4 % normal, bei erklärungsbedürftigen B2B-Dienstleistungen oft 0,5 bis 1 %, bei niedrigschwelligen Newsletter-Anmeldungen können es 10 % oder mehr sein. Wichtig ist weniger der absolute Wert, sondern der Vergleich zu deinem eigenen historischen Schnitt und zu Branchenbenchmarks.
Die klassische "Absprungrate" gibt es in Google Analytics 4 nicht mehr in der alten Form. Stattdessen arbeitet GA4 mit der Engagement-Rate, also dem Anteil von Sitzungen, in denen Nutzer mindestens zehn Sekunden auf der Seite verbringen, eine Conversion auslösen oder mehrere Seiten anschauen.
Niedrige Engagement-Raten bei Anzeigentraffic sind ein Indikator dafür, dass Nutzer schnell wieder verschwinden. In Kombination mit kurzen Sitzungsdauern und wenigen Seitenaufrufen pro Sitzung zeichnet sich ein Bild ab: Die Klicks kommen an, das Interesse aber nicht.
Der Suchbegriffsbericht ist das wichtigste Werkzeug. Er zeigt dir, welche tatsächlichen Eingaben deine Anzeigen ausgelöst haben. Wer regelmäßig dort hineinschaut, findet die Klick-Touristen, bevor sie das Budget abschöpfen.
Beispiele für klassische Klick-Touristen-Suchbegriffe:
Diese Begriffe haben oft eine andere Suchintention als die Keywords, die du eigentlich gebucht hast. Das System spielt deine Anzeige trotzdem aus, weil weitgehend passende Keywords großzügig interpretiert werden.
Die richtige Strategie reduziert unnötige Klicks und gestaltet deine Kampagnen effizienter. Sieben Hebel haben sich in der Praxis bewährt.
Der vielleicht wichtigste vorgelagerte Hebel. Google bietet drei Match Types: weitgehend passend, Wortgruppe und genau passend.
Weitgehend passend gibt Google den größten Spielraum bei der Interpretation deiner Keywords. Das ist genau die Stelle, an der Klick-Touristen ins Konto kommen, weil das System ähnliche, aber thematisch entfernte Suchanfragen mitnimmt. Wortgruppe und genau passend halten die Schleusen enger.
Mein Rat: Wer noch nicht mit Smart Bidding auf ein stabiles Conversion-Volumen optimiert, sollte zunächst auf Wortgruppe und genau passend setzen. Weitgehend passend funktioniert wirklich gut erst dann, wenn das Tracking sauber steht und genug Daten da sind, damit Smart Bidding selbst gegensteuern kann.
Setze gezielt Keywords ein, die eine konkrete Kauf- oder Anfrageintention signalisieren.
Gut:
Eher schlecht:
Informationssuche-Keywords haben ihre Berechtigung, aber in einer separaten Kampagne mit anderer Erwartungshaltung. Vermischst du beides in einer Kampagne, leidet die Performance.
Negative Keywords verhindern, dass deine Anzeigen bei irrelevanten Suchanfragen erscheinen. Sie sind kein einmaliger Aufgabenpunkt, sondern eine laufende Pflege.
Beispiele:
Geh den Suchbegriffsbericht alle paar Wochen durch und ergänze die Liste, sobald neue Klick-Touristen-Begriffe auftauchen.
Deine Anzeige soll nicht jeden anziehen, sondern die Richtigen. Konkrete Aussagen filtern unpassende Klicks vorab heraus.
Gut:
Eher schwach:
Wer in der Anzeige schon klar macht, dass es kein gratis Lockangebot gibt, bekommt weniger Schnäppchenjäger-Klicks. Das ist gewollt.
Sauberes Conversion-Tracking ist die Grundlage, damit Smart Bidding überhaupt Klick-Touristen erkennen kann. Wenn das System sieht, welche Klicks zu echten Conversions führen und welche nicht, optimiert es automatisch in die richtige Richtung.
Wichtig: Halte die primären Conversions schlank und wirtschaftlich relevant. Wer jede Mikro-Aktion als Conversion zählt, verwässert die Steuerung und macht es Smart Bidding schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen.
In Google Ads kannst du bestimmte Zielgruppen ausschließen. Bereits bestehende Kunden zum Beispiel, wenn du ausschließlich Neukunden gewinnen willst. Oder Wettbewerbsanalysten und Bewerber, wenn du das aus deinen Audience-Signalen ableiten kannst.
Auch ein Ausschluss bestimmter geografischer Regionen, in denen du keine Lieferung anbietest, gehört zum Standard. Klingt banal, ist in Konten aber überraschend oft nicht sauber gesetzt.
Manche Landingpages laden geradezu zum Stöbern ohne Kaufabsicht ein. Wer auf der Startseite landet, hat zwanzig Optionen. Wer auf einer fokussierten Kampagnen-Landingpage landet, sieht ein klares Angebot, einen Preis und einen Call-to-Action. Das filtert ebenfalls.
Eine fokussierte Landingpage muss:
Wer tiefer einsteigen will, kommt mit GA4 und dem Google-Ads-Bericht weit. Zusätzlich gibt es spezialisierte Tools, die das Nutzerverhalten sichtbar machen:
Die Daten aus diesen Tools sind oft erhellend, weil sie zeigen, was klassische Reports nicht erfassen: Wo genau auf der Seite verlieren wir die Aufmerksamkeit?
Bei Master of Scaling fahren wir unser eigenes Marketing über Google Ads und Meta Ads. Wir geben aktuell selbst immer mehr Werbebudget aus, und wir sehen in unseren Konten regelmäßig, wie viel Klick-Touristen-Traffic auch in gut betreuten Setups noch herausfilterbar ist. Drei bis fünf Stunden pro Monat in Suchbegriffs- und Audience-Auswertung steckt fast jeder Werbetreibende sinnvoll, der ein nennenswertes Budget einsetzt.
Was wir immer wieder beobachten: Die Konten, die richtig gut laufen, sind nicht die mit den meisten Klicks, sondern die mit den wenigsten irrelevanten Klicks. Filterung ist mindestens so wichtig wie Reichweite.
Klick-Touristen sind nicht ganz vermeidbar, aber drastisch reduzierbar. Match Types, negative Keywords, präzise Anzeigentexte, sauberes Conversion-Tracking, fokussierte Landingpages und gezielte Zielgruppen-Ausschlüsse sind die wirksamsten Hebel.
Wer diese Mechanik einmal aufsetzt und regelmäßig pflegt, bekommt aus dem gleichen Budget deutlich mehr echte Kunden. Es geht nicht darum, mehr auszugeben, sondern darum, das vorhandene Budget besser zu richten.
Wenn du dir nach diesem Artikel denkst "ich habe ehrlich gesagt noch nie strukturiert in den Suchbegriffsbericht geschaut" oder "ich weiß nicht, wie viel meines Budgets gerade bei Klick-Touristen landet", schreib mir kurz über das Kontaktformular, wo du stehst. Ich melde mich dann persönlich bei dir.
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