Vor allem in unserer Agenturarbeit, aber auch in Coachings, Beratungen und Trainings, kommt eine Frage immer wieder auf: Wie lässt sich das Potenzial künftiger Google Ads Kampagnen seriös einschätzen?
Typische Fragen von Kunden sind dann zum Beispiel:
Genau darum geht es in diesem Artikel.
Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie ich an einen Google Ads Forecast herangehe, welche Datenquellen sinnvoll sind, wo die größten Unsicherheiten liegen und wie du aus einer groben Marktidee eine belastbare Prognose für Klicks, Kosten, Leads oder Umsatz ableitest.
Wichtig ist dabei: Ein Forecast ist nie die Wahrheit im Voraus. Er ist immer eine fundierte Schätzung auf Basis der Daten, die dir heute zur Verfügung stehen.
Oder anders gesagt: Ein guter Forecast ist keine Glaskugel, sondern ein realistisches Szenario-Modell.
Bevor wir in die Methodik einsteigen, ist eine Sache wichtig: Viele erwarten von einem Forecast eine punktgenaue Vorhersage. So funktioniert das in der Praxis nicht.
Ein Forecast kann dir helfen, Größenordnungen einzuordnen:
Was ein Forecast nicht kann: dir garantieren, dass du nach dem Start exakt bei CPC X, CTR Y und Conversion Rate Z landest.
Dafür hängen zu viele Dinge voneinander ab: Kampagnenstruktur, Anzeigenqualität, Zielseiten, Wettbewerb, Saisonalität, Marktveränderungen, Tracking, Brand-Stärke und natürlich auch die eigentliche Angebotsqualität.
Trotzdem sind gute Forecasts extrem wertvoll – vor allem, wenn du Investitionsentscheidungen vorbereiten, Märkte vergleichen oder neue Kampagnen intern argumentieren musst.
Bevor du auch nur ein Keyword recherchierst, solltest du die Ausgangslage sauber klären. Denn ein Forecast ohne klare Prämissen wird schnell beliebig.
Diese Fragen gehören für mich an den Anfang:
Gerade der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Denn ein Forecast für Google Ads ist nur dann sinnvoll, wenn der Rest des Setups grundsätzlich tragfähig ist.
Das hängt natürlich von Branche, Land und Ausgangslage ab. Aber auf ein paar Werkzeuge greife ich besonders häufig zurück:
Wenn bereits Daten vorhanden sind, kommen zusätzlich oft noch diese Quellen dazu:
Und wenn es um Internationalisierung geht, können außerdem Tools wie Market Finder hilfreich sein, um Märkte strukturiert einzuordnen.
Ich gehe hier vom häufigsten Fall aus: einer Suchkampagne. Das ist für Forecasts meist der sauberste Ausgangspunkt, weil Suchnachfrage vergleichsweise gut einordenbar ist.
Die Vorgehensweise sieht in der Praxis ungefähr so aus:
Der erste Schritt ist immer das Erstellen einer Keywordliste.
Und zwar nicht einfach irgendeiner Liste, sondern einer Liste, die das spätere Geschäftsmodell, die Suchintention und die reale Nachfrage sinnvoll abbildet.
Ich gehe dafür meist über mehrere Wege gleichzeitig:
Das Ziel ist dabei nicht, einfach nur viele Keywords zu sammeln. Ziel ist, die Nachfrage in sinnvolle Cluster zu sortieren.
Zum Beispiel nach:
Je sauberer du diese Gruppen baust, desto belastbarer wird später auch dein Forecast.
Im nächsten Schritt geht es darum, die Nachfrage zu quantifizieren. Dafür ist der Google Keyword-Planer weiterhin eines der wichtigsten Tools.
Dort bekommst du:
Wichtig ist dabei: Der Keyword-Planer liefert keine Wahrheit, sondern modellierte Annäherungen. Trotzdem sind diese Werte oft eine sehr gute Basis – vor allem, wenn du sie nicht blind übernimmst, sondern mit Erfahrung und weiteren Datenquellen plausibilisierst.
Sehr wichtig ist außerdem die Saisonalität. Nicht jedes Thema verhält sich über das Jahr gleich. Genau deshalb solltest du nie nur mit einem Jahresdurchschnitt rechnen.
Google Trends hilft dir dabei sehr gut, um Nachfragespitzen, saisonale Dellen und längerfristige Entwicklungen zu erkennen.
Gerade bei Monats-Forecasts oder bei stark saisonalen Märkten solltest du deshalb nicht einfach einen Mittelwert nehmen, sondern mit einem Index arbeiten.
Ein praktischer Weg ist:
So wird dein Forecast deutlich realistischer als mit einem plumpen Jahresdurchschnitt.
Der Keyword-Planer gibt dir Gebotsspannen oder Forecasts für Klickpreise. Diese Werte sind sehr hilfreich – aber bitte nicht als absolute Wahrheit verstehen.
Denn der tatsächliche CPC hängt in der Praxis stark von mehreren Faktoren ab:
Genau deshalb arbeite ich bei Forecasts fast nie mit nur einem CPC-Wert, sondern meist mit mehreren Szenarien:
Wenn schon historische Kampagnen in ähnlichen Themen existieren, nutze ich diese immer als Gegenprobe. Denn ein guter historischer Vergleich ist fast immer wertvoller als eine reine Tool-Schätzung.
Jetzt wird es spannender. Denn aus Suchvolumen allein entsteht noch kein realistischer Forecast.
Du brauchst zusätzlich eine Annahme dazu, wie viele Impressionen du realistisch überhaupt erreichst und wie viele dieser Impressionen in Klicks umgewandelt werden.
Das heißt: Du brauchst Annahmen zu
Und genau hier passieren in Forecasts viele Fehler. Denn pauschale CTR-Annahmen wie „generisch 5 Prozent, Brand 25 Prozent“ sind als grober Start vielleicht okay, aber oft viel zu ungenau.
Was du stattdessen beachten solltest:
Auch hier arbeite ich am liebsten mit Szenarien statt mit einer einzigen festen CTR.
Ab hier wird es mathematisch einfach.
Wenn du eine Schätzung für Klicks und CPC hast, kannst du die möglichen Kosten berechnen:
Kosten = Klicks × CPC
Genau deshalb ist die Qualität deiner vorherigen Annahmen so entscheidend. Der Rechenweg selbst ist einfach – die Kunst liegt in der realistischen Vorarbeit.
Jetzt kommt der Teil, bei dem Forecasts am schnellsten wackelig werden: die Conversion-Annahme.
Viele Forecasts kippen nicht an Suchvolumen oder CPC, sondern an einer zu optimistischen Conversion Rate.
Deshalb gilt hier: lieber sauber, konservativ und nachvollziehbar rechnen als sich etwas schönzudenken.
Im Idealfall hast du Vergleichswerte aus:
Wenn du gar keine Daten hast, musst du mit einer Spanne arbeiten. Die Conversion Rate hängt unter anderem stark davon ab,
Auch hier gilt: lieber drei Szenarien rechnen als nur einen vermeintlich exakten Wert.
Spätestens wenn du für Kunden oder intern Budgetentscheidungen vorbereitest, reicht ein Forecast auf Klick- und CPA-Ebene oft nicht aus. Dann musst du wirtschaftlicher denken.
Zum Beispiel:
Erst dadurch wird aus einem reinen Google Ads Forecast ein echter Business Forecast.
Bis hierhin hast du bereits eine solide Forecast-Basis. Aber natürlich bleibt in vielen Fällen noch viel Bauchgefühl enthalten.
Deshalb professionalisiere ich Forecasts gern über zusätzliche Prüfungen.
Wenn bereits kampagnennahe Daten vorhanden sind, kann der Performance Planner sehr hilfreich sein. Er ist vor allem dann stark, wenn schon Kampagnenhistorie da ist und du Budget- oder Zielveränderungen modellieren willst.
Für komplett neue Märkte ersetzt er keine echte Marktanalyse – aber für bestehende oder ähnliche Setups ist er ein starkes Tool.
Mit der Anzeigenvorschau und -diagnose kannst du dir Suchergebnisse für bestimmte Regionen, Geräte und Sprachen ansehen, ohne Impressionen auszulösen.
Das ist extrem hilfreich, um den Wettbewerb, die SERP-Realität und die lokale Suchdarstellung besser einzuordnen.
Tools wie SEMrush oder Sistrix helfen dabei, Wettbewerber, Keywordlandschaften und Sichtbarkeitsmuster besser zu verstehen.
Gerade wenn du Forecasts für neue Märkte oder neue Themen erstellst, kann dir das helfen, Suchbegriffe und Wettbewerb realistischer zu bewerten.
Bei Internationalisierung nutze ich gern zusätzlich Market Finder, um Exportmärkte strukturiert zu prüfen. Das ersetzt keine echte Marktanalyse, kann aber ein hilfreicher Zusatz sein.
Außerdem sind lokale Branchenquellen, Wettbewerber, Preisniveaus und Marktbesonderheiten oft wichtiger als reine Tooldaten.
Internationale Forecasts sind deutlich anspruchsvoller als Forecasts für ein bestehendes Heimatland.
Der größte Fehler ist hier meist, Keywords einfach nur zu übersetzen und dann dieselbe Logik auf das neue Land zu übertragen.
Das ist fast immer zu kurz gedacht.
Du solltest zusätzlich prüfen:
Der Google Übersetzer kann für erste Ideen helfen. Aber er ersetzt keine native Validierung und kein echtes Marktverständnis.
Gerade bei Forecasts für neue Länder solltest du daher mit zusätzlichem Risikopuffer arbeiten.
Je professioneller dein Forecast sein soll, desto stärker musst du die gegenseitigen Abhängigkeiten mitdenken.
Das bedeutet: Ein Forecast ist kein statisches Dokument. Gerade nach dem Kampagnenstart sollte er mit echten Daten abgeglichen und weiterentwickelt werden.
Wenn ich Forecasts für Kunden aufbaue, rechne ich fast immer mindestens drei Varianten:
Warum? Weil das deutlich ehrlicher und nützlicher ist als ein einziger Pseudo-Exaktwert.
Ein guter Forecast zeigt nicht nur eine Zahl, sondern einen Korridor. Genau das macht ihn in der Praxis wertvoller.
Früher wurden Forecasts oft zu sehr aus Suchvolumen und Bauchgefühl gebaut. Heute würde ich deutlich stärker auf diese Punkte achten:
Gerade deshalb ist ein Forecast heute weniger eine starre Tabelle und mehr ein durchdachtes Modell aus Nachfrage, Sichtbarkeit, Kosten, Conversion und Business-Logik.
Das Thema Forecast, Potenziale und Prognosen ist anspruchsvoll. Aber wenn du strukturiert vorgehst, kannst du sehr solide Einschätzungen aufbauen.
Die wichtigsten Schritte sind dabei:
Wenn du diese Schritte sauber abarbeitest, hast du am Ende nicht nur irgendeinen Forecast vor dir, sondern eine belastbare Entscheidungsgrundlage.
Und genau darum geht es: nicht um perfekte Vorhersagen, sondern um gute Entscheidungen vor dem Kampagnenstart.
Wenn du es lieber statt in geschriebenen Worten in gesprochenem Video haben möchtest, dann findest du in meinem Videokurs auch Inhalte zu Forecasts und meiner Vorgehensweise.
Copyright 2026 Christoph Mohr | Alle Rechte vorbehalten | Informationen zum Datenschutz | Impressum | KI-Informationen
Dieses Blog basiert auf der Inbound Marketing-Plattform Chimpify
sehr guter Artikel. Hab sonst keinen Vergleichbaren gefunden;)
Kannst du das auch noch für Display Kampagnen machen?
Wäre mega!
VG
Daniel
danke dir für das Lob! Die Idee das für Displaykampagnen nochmal darzustellen, nehme ich gern auf. Ist hier aber nicht mehr so greifbar, weil du bei den Suchen ja als 100% die absolute Anzahl an Suchanfragen auf Google hast.
In Display kannst du ja die Reichweite durch die Targetierung auf Placements, Geräte, Demografie, Interessen, Remarketing usw. massiv beeinflussen und verändern.
Viele Grüße
Christoph
Danke für den Beitrag. Magst du das erwähnte Excelsheet teilen?
gute Idee. Ich werde sie anonymisieren und noch etwas aufhübschen, dann teile ich hier gern eine Vorlage.
VG
Christoph
Was denkst du?